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JS
Beutegeier Duke




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(Übers. v. JS.)

Genesis

Die Zeitendämmerung

Die Musen
Am Anfang waren die Musen. Sie entstanden in einer Mulde des Nichts, lösten sich von den Sternen, die in der Leere funkelten, und fügten sich zusammen. Sie waren vier an der Zahl: Orphèle, Cysèle, Nuence und Stance. Sie waren göttliche Wesen, und ihre Essenz war Schöpfung.
Aber noch war keine Schöpfung geboren. Die Musen wandelten umher, hinterließen jedoch nichts als den Hauch ihres Vorbeiziehens. In ihnen schlief die Zukunft - die Begierde, das Leben, Zeit und Verzauberung -, eine Zukunft, die auf ihr Erwachen wartete.
Als sich ihre Blicke trafen, konnte jede in den Augen der anderen die Verheißung einer Welt erkennen, die es zu erschaffen galt, einer Welt, die die Verwirklichung ihrer tiefsten Sehnsüchte sein würde. Für diese Welt mußten sie sich vereinigen, denn eine Welt, erschaffen allein durch die Hand einer einzigen von ihnen, konnte nur unvollendet sein, wohingegen ihr Bund ein wahres Meisterwerk gestalten würde. Zusammen könnten die Musen eine Welt formen, die zugleich verzaubert und verzaubend wäre.

Harmonie
So geschah es, und Orphèle, Cysèle, Nuence und Stance vollführten Bewegungen von höchster Grazie, schufen Muster, die immer gewagter, immer fruchtbarer wurden. Verschlungene Formen flossen entlang ihrer durchsichtigen Körper, und ihre Augen glänzten mit dem Feuer der weit entfernten Sterne. Konturen von Welten, die niemals sein würden, glitzerten in Cysèles Händen. Nuence zog wilde Farben aus den Tiefen des Nichts und schwenkte sie vor den Augen ihrer Schwestern. Lieder, die niemals jemand hören würde, kamen flüchtig über Orphèles Lippen. Stance aber beobachtete und ordnete die Handlungen der anderen Musen und erzählte ihre Geschichten als ein Geschehen, das sich entfaltete. Nach und nach erwuchsen die Umrisse und Farben, Klänge und Bewegungen ihrer Schöpfung aus der Mitte ihres Tanzes.
Die vier Göttinnen schufen Harmonie. Es war geradezu ein Spiel, aber dieses Spiel gebar ein ganzes Universum.
Aus elementarer Masse, grob behauenen Formen, feinfühligen Abläufen und, letztendlich, durch die Kraft Cysèles wurden lebende Wesen gestaltet, um durch die Lande zu wandeln, die sie modelliert hatte.
Und es waren Farben, die sich in die Unendlichkeit erstreckten, sich im Sternenlicht veränderten; und all die glänzenden Spiegelungen in diesen Farben schuldeten Nuence ihr Dasein.
Und es war Wind in den Blättern, Wellen, die sich an Felsen brachen; und durch die Anmut Orphèles wurde Klang zu Melodie, und das leiseste Geräusch verwandelte sich in wundervolle Musik.
Und es war Bewegung, die Bewegung der Elemente und die Handlungen der Lebewesen; und Stance begann, all ihre Geschichten zu erzählen.
Denn diese Welt sollte eine Geschichte haben, eine so weit wie möglich ausgeschmückte Geschichte, und ihr sollte ein unvergeßliches Erbe gegeben werden.
Die Zeit begann, sich zu entwirren, und der erste Tag brach an.
Als alles vollendet war, hielten die Musen inne, um ihr Werk zu betrachten. Sie verstanden, daß ihre Magie zum ersten Mal ein Sein im Nichts geschaffen hatte, eine verzauberte Zuflucht inmitten des Nirgendwo, wo ihre zukünftigen Kinder leben und verweilen konnten. Die Musen wollten, daß ihre Schöpfung wie sie selbst sei, und sie wollten, daß deren Bewohner dieselbe Harmonie bilden würden, die ihren eigenen Bund angeleitet hatte.
So stiegen die Musen zu dem Land herab, das sie dem Nichts entrissen hatten, und nannten es Harmundia.

Die Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit
Die Musen tanzten in ihrer neuen Welt, erfreuten sich an deren feinsten Details, und Natur erblühte unter ihren Füßen ohne Unterlaß in all ihrer Pracht. Tiere und Pflanzen, lebende Wesen und unbewegliche Massen frohlockten zusammen und feierten ihre Schöpfer, die ihnen ihre Gaben geschenkt hatten.
Aber der Tanz der Musen offenbarte Unvollständigkeit in ihrem Werk.
Sie spürten, daß sie sich in Wirklichkeit nur für die Schönheit dieses Universums gegenseitig gesucht hatten. Jede der Musen fühlte den Drang, sich mit den anderen zu vereinen und damit totale Harmonie zu begründen, denn durch ihre Verschmelzung könnten sie Vollkommenheit erlangen. Die Harmonie, welche die Erschaffung Harmundias ermöglicht hatte, könnte nun den Musen selbst dienen und sie ihrem eigenen Traum einverleiben, um einen vollendeten Kreislauf zu schließen.
Und so trafen sie sich in einer glänzenden Perle im Herzen Harmundias und bildeten um sich herum den sagenhaftesten Ort, den man sich vorstellen kann. Dann fielen sie in eine Trance, verließen ihre Körper und begannen mit der Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit. Um sich selbst zu entdecken und ihre Traumbilder zu teilen, folgten sie den vielen Pfaden der Welt, deren Oberfläche und tiefste Nischen ihr Widerschein durchflutete.
In ihrem Sog bildete sich ein Schweif aus Kreaturen; jede einzelne davon war ein Stück näher an der Vollkommenheit, und es entstanden die mythischen Wesen Harmundias: die Prodigien, wie die Drachen, die, kraftvoll und gebieterisch, zu Begleitern der Musen wurden; und die Wunder, wie die Sirenen, die mit dem Hüten der verzauberten Plätze beauftragt wurden, an denen die Musen sich ausruhten. Diese Ruheorte wurden Vollkommenheiten genannt.
Als die Musen dachten, all die unterschiedlichen Schönheiten Harmundias gesammelt zu haben, vollführten sie das Ritual der Endgültigen Vollkommenheit. Dieses aber brachte keine Vereinigung hervor, sondern erzeugte statt dessen eine neue Muse, ausgestattet mit den ineinander verflochtenen Eigenschaften der ersten vier. Die Mischung der Nuancen Cysèles, Orphèles, Nuences und Stances gebar eine neue Wesenheit, göttlich wie sie selbst, aber dennoch eine Kreatur für sich, die sich selbst als das erfolgreiche Ergebnis der Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit sah.
Dieser Unsterbliche begehrte gegen die Musen auf, denn sein tiefster Instinkt war Verführung, Beeinflussung. Er entschloß sich, Gebieter über all die Herrlichkeiten zu werden, die im Ritual zusammengeflossen waren, sich die Lebewesen, die Prodigien und die Wunder Untertan zu machen und zu seinem eigenen Wohl über Harmundia zu herrschen. Er begriff die Idee der Welt als ein Theater, in dem jeder Akteur seine Marionette sein sollte. Und weil sein Geist listig war, offenbarte er den Musen nichts von seiner Natur oder seinem Plan.
Er wurde die Maske.
Und das Drama begann.


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Der Zenit

War die Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit gescheitert, oder war die Maske tatsächlich ihre wahre Verkörperung?
Die Musen konnten es selbst nicht sagen. Sie entschieden sich, zu warten und zu sehen, wie sich die Maske in diesem Universum aus Leben und Magie verhielte. Wie sie, so verfügte auch die Maske über die Macht, Unsterbliche zu erschaffen. Und er beschloß, sich mit anderen Gottwesen zu umgeben, die ihm helfen sollten, seine Herrschaftspläne zu verwirklichen. Er formte den Tag und die Nacht, um das Drama in Szene zu setzen, und ihre Rollen wurden von zwei Wesen übernommen: Nox, dem Unsterblichen der Nacht, und Diurn, dem Unsterblichen des Tages.

Diurn
Das Licht der Sonne überflutete Harmundia, und Diurn wurde im Zenit der Sonne geboren, an dem Punkt, als das Leuchten der Sterne am stärksten war. Schnell umgab er sich mit einem untertänigen Gefolge, den Glimmern. Sie gehörten ihm allein, Kreaturen aus purem Licht, die sich über die Oberfläche der Welt verstreuten. Die Musen sahen etwas in Diurn, das ihnen gefiel, etwas, das ihre Schöpfungen im Tageslicht prachtvoll machte, und sie fühlten sich zu ihm hingezogen.

Nox
Dann versank die Sonne hinter dem Horizont, und die Schatten wuchsen. Sie dehnten sich über ganz Harmundia aus und verschwanden seitdem niemals wieder vollständig. Sie krochen unter die Erde, wo sie sich in den Tiefen einwoben und für sich einen dunklen Platz aushoben, den Abyss, von wo aus sie jede Nacht wiederkehrten, um sich mehr Bereiche zu erobern.
Zu dieser Zeit gewann die Maske, voller Neid auf die Fähigkeit der Schatten, sich zu verstellen und zu verbergen, immer mehr Einfluß auf Nox. Angetrieben von der Maske, änderte Nox seine Persönlichkeit: Er wurde zum Schatten. Zusammen erschufen sie die Finsternis, die Essenz der Kreaturen der Nacht und des Unheils, die sich in den Tiefen des Abyss entfaltete. Dann entstanden die Dämonen, geboren aus der Finsternis. Nox, der nun der Schatten war, wandelte durch den Abyss, formte viele Dämonen und bestimmte ihre Machtgrade.
Die Dämonen und die Glimmer waren, wie auch Diurn und Nox, an die ihnen zugehören Zyklen von Tag und Nacht gebunden und nahmen, ganz wie die Wechsel innerhalb dieser Zyklen, in regelmäßigen Abständen zu und ab. Doch aufgrund der Finsternis im Abyss waren die Dämonen nun nicht länger zum Entschwinden gezwungen und konnten über die Grenzen ihres Zyklus hinaus überdauern.

Die Menschheit
Aber das Vorhaben der Maske war noch nicht beendet. Das Drama konnte nur vollständig werden, wenn Lebensformen zur Verfügung stünden, die zugleich intelligent und leicht zu beeinflussen wären.
Die Dämonen waren für diese Rolle nicht geeignet genug, denn sie waren aus der Finsternis geboren, der bösartigen Substanz des Schatten. Also bereiste die Maske Harmundia und gab den Menschen unter den wachsamen Blicken der Musen ihre Gestalt. Die Menschheit wurde somit von Beginn an in den Mittelpunkt des Plans der Maske gerückt. Sie sollte das Herzstück des Dramas werden, das bevorzugte Spielzeug der Maske.

Janus
Die Musen waren besorgt wegen der Handlungen der Maske und beschlossen, einzugreifen. Sie vereinten sich und erschufen Janus, ein Gottwesen, dessen Aufgabe es sein sollte, den Wechsel zwischen Tag und Nacht zu lenken und über alle unsterblichen und sterblichen Bewohner Harmundias zu wachen.
Janus wurde der Todfeind der Maske - der Ordnungsstifter gegen den Hetzer -, und die Musen beschenkten Janus mit gewaltiger Macht, die er in der Form von Urteilen offenbaren konnte.

Die Dekane und die Jahreszeiten
Sein erstes Urteil, die Abfassung der Dekane, sollte der Welt Ordnung bringen, die Zeit in Abschnitte einteilen und die Entwicklung aller Dinge beaufsichtigen. Mit der Hilfe der Musen setze sich Janus in Resonanz zu den Sternen und machte zwölf Dekane ausfindig, mit denen er in der Lage sein würde, regelmäßig andere Urteile zu formulieren und die Arbeit der Musen zu behüten.
Harmundia reagierte auf natürliche Art und Weise auf Janus und seinen Versuch, den Lauf der Dinge zu kontrollieren: Die Jahreszeiten erwachten.
Geboren aus der Welt, dem Leben und der Verzauberung, stellten sie sich der Kontrolle entgegen. Vier mysteriöse Frauen, die für das Chaos, die Freiheit der Natur, die Unordnung und die Zauberwelt standen und jede für sich die Eigenschaften ihrer Jahreszeit verkörperten: die Dame des Frühlings, die Dame des Sommers, die Dame des Herbstes und die Dame des Winters.
In dieser Epoche gab es keinen fest geregelten Ablauf, keine Ordnung der Jahreszeiten; sie streiften frei über die Oberfläche Harmundias. Aber als Gegenleistung dafür rebellierten sie nicht direkt gegen Janus und stimmten schließlich der Gleichförmigkeit der Dekane zu, wie sie ihnen der Herr der Urteile auferlegt hatte.

Die Jahreszeitlinge
Unter der Wärme und dem Schutz der Damen wurden die Kinder der Jahreszeiten geboren. Sie waren die ersten Sterblichen Harmundias, die ihr Dasein weder den Musen noch der Maske schuldeten. Sie waren die Jahreszeitlinge, und es gab von ihnen so viele, wie es Dekane gab, zwölf an der Zahl, drei für jede Jahreszeit:
Kobolde, Gnome und Satyre für die Dame des Frühlings; Oger, Minotauren und Riesen für die Dame des Sommers; Pixies, Draaken und Morganas für die Dame des Herbstes; Schwarze Feen, Zwerge und Medusen für die Dame des Winters.
Die Jahreszeitlinge waren grundsätzlich unkontrollierbar, sie entstammten der Freiheit der Jahreszeiten und bewegten sich fernab des Einflusses der Musen, der Maske, von Janus, Diurn oder dem Schatten.

Der Krieg der Dekane
Die Jahreszeitlinge erwiesen sich jedoch als äußerst stürmisch und wurden durch die Gegenwärtigkeit von Janus´ Dekanen in einen steten Wettstreit miteinander gedrängt. Sie begannen, sich untereinander zu bekämpfen, und jede Gruppe rang um die Vorherrschaft ihrer eigenen Jahreszeit. Allen Umständen zum Trotz hatten die Jahreszeiten keine wirkliche Macht über die Jahreszeitlinge und übernahmen keine Rollen im Krieg zwischen ihren Kindern, aber als der Krieg vorüber war, erwirkten sie ein dauerhaftes Gleichgewicht. Eine der hauptsächlichen Folgen davon war die Fortdauer jeder Jahreszeit während ihrer drei Dekane, und die Jahreszeitlinge konnten künftig in Reichen leben, in denen ihre bevorzugte Jahreszeit überwog.
In der Zwischenzeit hatte die Menschheit aber begonnen, einen bedeutenderen Platz in Harmundia einzunehmen. Unter der vorsichtigen und verschwiegenen Führung der Maske hatte sie größere und immer größere Gebiete besiedelt, Städte gegründet und damit den Weg für zukünftige Zivilisationen geebnet. Gleichzeitig hatte sie indessen die Ordnung zwischen den Jahreszeitlingen erschüttert und die Kinder der Jahreszeiten teilweise gezwungen, sich ebenso wachsam wie feindselig in ihre natürlichen Schlupfwinkel zurückzuziehen.


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Die Agonie

Der Krieg der Unsterblichen
Die Maske beeinflußte den Schatten nun immer offener, denn er wollte die Dämonen des Abyss als Waffen auf seinem Weg zur Macht beherrschen. Die Menschen sollten seine Spielfiguren, seine Bauern sein, die Dämonen seine Armee.
Janus, in seiner Eigenschaft als Wächter, berichtete den Musen von all diesen Dingen, und sie erkannten, daß sie die Menschheit an die Maske verloren hatten. Sie beschlossen, daß das zukünftige Bündnis mit den Dämonen des Abyss der Maske zuviel Macht geben würde. Daher riefen sie Janus an, um ihnen für einen Bund mit Diurn beizustehen und ihnen zu helfen, die Balance der Kräfte wiederherzustellen.
Von diesen Moment an hörten die Musen auf, nur Betrachter ihres Werkes zu sein, und sie ersannen ein neues Ideal: Das Ziel der Harmonie sollte fortan die Inspiration sein, ein Mittel, den Knoten neu zu schnüren und die Lebewesen Harmundias mit ihren vier Schöpferinnen zu verbinden. Durch die Inspiration könnten die Musen die Menschen dem Einfluß der Maske entziehen.
So wandten sich die Musen an Diurn und baten ihn um die Hilfe der Glimmer. Diurn stimmte zu, denn er wollte, daß sein Gefolge gedieh, so wie auch die Dämonen in der Finsternis gediehen waren.
Aber die Reaktion der Maske war viel gewalttätiger, als es sich die Musen vorgestellt hatten: Krieg entbrannte in Harmundia. Auf der einen Seite standen Diurns Glimmer und die Menschen, die den Musen treu ergeben waren. Ihre Gegner waren die Dämonen und die Menschen, die von der Maske gelenkt wurden. Die Jahreszeitlinge dagegen bewahrten vorsichtig ihre Neutralität, abgesehen von einigen Söldnergruppen, die mit der einen oder anderen Seite Pakte geschlossen hatten.
Die Zerstörung war schrecklich: Das Chaos brach zum ersten Mal aus den Reichen der Jahreszeiten aus und verteilte sich über die Welt. Die Elemente, die so geduldig von den Musen angeordnet worden waren, verwüsteten die Landschaft und überfluteten die gegnerischen Seiten. Sterbliche kämpften gegen Unsterbliche in gigantischen Schlachten, vergossen Blut und verzehrten die Kräfte des Lichts und der Finsternis. Die Musen selbst griffen zu den Waffen und säten Vernichtung, während die Maske danach trachtete, den Herzen seiner vier älteren Schwestern den Tod zu bringen.

Der Seelenkern
Aber schon bald überwog das dunkle Bündnis zwischen der Maske und dem Schatten. Die Musen - schwach, verwundet und ausgezehrt - befanden sich in ernsthafter Gefahr. Sie wußten, daß sie Harmundia, ihre eigene Schöpfung des Friedens und der Schönheit, verlassen mußten. Doch sie entschieden sich für einen letzten Versuch, die Kontrolle über die Menschheit mit dem Ritual der Inspiration wiederzuerlangen und ihre eigene Rückkehr in der Zukunft zu gewährleisten.
Das Ritual würde eine neue Form haben: brutal, schnell, endgültig. Die Musen überredeten Diurn, ihnen zu helfen, aber gleichzeitig überlisteten sie ihn, so daß er seine wahre Bedeutung für das Ritual nicht erkannte: Sie nahmen seine Kraft. Durch dieses Opfer sollte Diurns Essenz zukünftig Sammelbecken und Leitstrahl der Inspiration sein. Mit ihr könnten die Musen später jene gestalten, die sie in ihrer Abwesenheit vertreten sollten und in denen sie sich wieder manifestieren könnten.
Und die Musen schufen die Flammen.
Die Flammen waren das Ergebnis einer Vereinigung der Magie der Musen und der Essenz Diurns. Sie wurden mit einer beispiellosen Explosionswelle über Harmundia in die Freiheit entlassen, gewaltiger als alles, was die Welt bisher gesehen hatte. Ihr plötzliches Entstehen bewirkte die Geburt des Seelenkerns, einer spirituellen Sphäre, die die Welt und alle Menschen bestrahlte. Jeder Mensch wurde zu einem Inspirierten, beschenkt mit einer Flamme, deren Innerstes für immer eine Heimstätte des Seelenkerns sein würde.
Die Maske und die Streitmacht des Schatten wurden von diesem großen Feuer zurückgeworfen. Die Menschheit entkam dem unseligen Einfluß des Meisters der Täuschung, und die Dämonen flüchteten jaulend und heulend zurück in den Abyss.
Aber am Ende dieses Krieges war Diurn, geopfert von den Musen, nur noch ein Schatten seines vorherigen Selbst, ein niedergeschlagener Junge, entkleidet seiner einstigen Kräfte. Doch er starb nicht, weil in ihm das Erbe der Unsterblichkeit war.
Die Glimmer hatten einen hohen Preis auf dem Schlachtfeld gezahlt, und diejenigen, die übrig waren, verließen Harmundia unter dem schützenden Mantel von Janus, der sie vor den Streitkräften des Schatten behütete.


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Die Flamboyanz

Dies war der Beginn eines großen Zeitalters, das als die Flamboyanz bekannt ist. Die Menschen waren inspiriert worden, die Jahreszeitlinge lebten in Frieden miteinander, und ganz Harmundia war umgeben von der Aura der Musen. Es war eine sagenhafte Zeit der Schöpfung; sterbliche Hände erschufen Werke von erstaunlicher Schönheit, die sich von den Musen und ihren Lehren herleiteten. Man kann sagen, daß die Musen in den Herzen der Schöpfer dieser Werke fortlebten. Heute aber gibt es nur noch wenige Relikte aus jener Zeit, solche wie die Tausend Türme Lorgols
Wenn in diesem Zeitalter Menschen starben, verließen die Flammen ihre Körper und verwandelten sich in Geistwesen, die Erleuchtete, Luminare oder Ingenia (Sg. Ingenium) genannt wurden. Sie kehrten zum Seelenkern zurück, bevor sie wieder zur Welt niederfuhren, um andere Menschen zu inspirieren. Als sich aber das Gleichgewicht zwischen Geburt und Tod veränderte, hatten einige Menschen keine Flamme mehr. Sie wurden Glanzlose genannt, aber von den Inspirierten weder ausgestoßen noch verachtet, denn die Inspiration sollte mit jedem geteilt werden.
Jene ruhmreichen Zeiten brachten viele sagenumwobene Helden hervor, charismatische Propheten und außergewöhnliche Stammesführer, die nun den Traditionen, Legenden und Ritualen Harmundias innewohnen. Mit der Zeit änderte sich aber die Erinnerung der Menschen an diese Personen, und die Erleuchteten wurden gelegentlich als göttliche Wesen angesehen.
Nun, da die Musen entschwunden waren und die Maske von der Flamboyanz überwunden, war Janus der letzte der Unsterblichen auf vorderster Bühne, der alleinige Meister der Welt, der seiner maßgeblichen Bestimmung folgte: Ordnung. Er beschloß, Diurn und den Schatten zu bestrafen, die Gestalter des Unheils, Marionetten des Großen Verführers und Komplizen der Ereignisse, die zum Krieg führten. Und Janus kerkerte beide ein. Der Schatten wurde zu seinen Dämonen in den Abyss geworfen, Diurn in einem eigens für ihn angefertigten Gefängnis eingesperrt, einer verborgenen Sphäre namens Orb. Das Versteck dieses Orbs sollte dereinst den Mitgliedern der Schule des Dämmerlichts als die Grube bekannt werden, und die Schule sollte Jahrhunderte später genau an dieser Stelle erbaut werden.
In der Folgezeit jener doppelten Einkerkerungen lebten die Grundsätze, die Nox und Diurn verkörperten, weiter: Tag und Nacht bestanden im Angesicht Harmundias fort und wechselten sich ab wie allezeit; der Kreislauf dauerte ohne gegenständliche Verkörperungen der beiden Unsterblichen an.
Janus unternahm - warum auch immer - nichts weiter gegen die Maske. Für Janus war die Maske als fünfte der Musen unantastbar, denn Janus hatte, weil die anderen Musen nichts Gegenteiliges gewünscht hatten, auch ihm die Treue geschworen. Obendrein waren sie wie zwei verfehdete Brüder, und die Antriebe, die hinter ihrer Handlungen standen, waren so unsagbar gegensätzlich, daß jede Störung durch einen von ihnen außer Frage stand, denn Harmundia selbst wäre damit großer Gefahr ausgesetzt worden.
Janus hatte keine wirkliche Macht über die Maske.
Die Maske aber, geflohen aus der vernichtenden Niederlage gegen die Flamboyanz, suchte Vergeltung, um sich die inspirierten Menschen eines Tages wieder in ihren Besitz zurückzuholen.


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Die Eklipse

Und diese Vergeltung sollte er schon bald finden.
Im Verborgenen, verhüllt von einem Mantel und einer samtenen, schwarzen Maske, bereiste er Harmundia. Und während er im Verlauf seiner Reise beobachtete und lernte, ward ihm nicht nur die Kunst der Verkleidung, sondern auch die Fähigkeit zur Veränderung seiner wahren Gestalt zuteil. Er konnte seine Größe wechseln, seine Erscheinung, sein scheinbares Alter, und er wurde besser und besser darin, bis er schließlich die Kunst der Verwandlung virtuos meisterte. Er überschritt alle Grenzen, verweilte in der Nähe der Vollkommenheiten, spähte die Jahreszeitlinge aus und entdeckte am Ende die Möglichkeiten für seine Rache an Janus und den Musen. Er schaffte es, die natürlichen Heiligtümer freizulegen, in denen die Damen der Jahreszeiten wohlbehütet ruhten, und wählte eine von ihnen zur Verführung aus.
Er hing sein Herz an die Dame des Herbstes und machte ihr viele Versprechungen: Ihre Jahreszeit sollte für immer andauern, wenn er erst einmal wieder seine alte Macht über Harmundia besäße, und sie müßte ihren drei Schwestern im Verlauf eines Jahres nicht länger Platz machen. Die Worte und die Ausstrahlung der Maske berührten die Dame tief, und so stimmte sie zu.
Die Maske benutzte sie und befahl ihr, all ihre Macht über die Welt zu entfalten. Der Himmel und die Blätter an den Bäumen wurden goldbraun, die Winde nahmen zu, und alles wurde von Kälte erfaßt. Der Pakt der Dekane, der den Kindern der Jahreszeiten erlaubte, in der von ihnen gewünschten Jahreszeit zu leben, war gebrochen, und voller Schrecken zogen sich die anderen Damen aus ihren Reichen zurück.
Die Maske trug der Dame des Herbstes danach auf, den Seelenkern mit einem Schleier zu überziehen und auch Harmundia zu verdecken. Und er lieh ihr seinen Mantel, der sich wie ein großer Vorhang über die Himmel legte.
Dies war die Eklipse.
Der Schleier des Herbstes verursachte einen Bruch zwischen den Menschen und dem Seelenkern. Der Zyklus der Wiederkehr war unterbrochen, und die Flammen konnten die Toten nicht länger verlassen und in die Herzen von Neugeborenen zurückkehren.
Die Maske hatte das Erbe der Musen erfolgreich von der Inspiration getrennt.

Tänzer, Erleuchtete und Geister
Dieser Bruch hatte große Auswirkungen. Die Flammen zerstoben in drei Teile entsprechend den drei Grundelementen, die bei ihrem Erschaffungsritual vereinigt worden waren: die Musen, Diurn und die Menschen. Und weil die Flammen unfähig waren, den normalen Lauf ihres Zyklus fortzusetzen, gingen sie unterschiedliche Wege und gebaren die Tänzer, kleine Wesen aus der Lebensessenz Diurns. Diese Wesen findet man noch heute, und sie besitzen einige sonderbare, erstaunliche Eigenschaften, die ihnen eine zentrale Rolle in einem magischen Zweig zuweisen, den man Askendanz nennt. Alle Tänzer, die heute existieren oder jemals in der Vergangenheit existiert haben, wurden in diesem einen Moment der Eklipse geboren; und es gab niemals andere.
In jener Epoche nun wurden die inspirierten Menschen, deren Flamme den höchsten Grad erreicht hatte, Erleuchtete, Luminare oder Ingenia genannt. Im Moment ihres körperlichen Todes aber waren sie unfähig, den Seelenkern zu erreichen, und sie waren gezwungen, in Harmundia umherzuschweifen.
Zudem wurden die Glanzlosen, die uninspirierten Menschen, immer zahlreicher, weil die Flammen nicht länger vom Seelenkern zurückzukehren vermochten. Diese Menschen konnten keine Erleuchteten werden, aber wenn sie ein außergewöhnliches und erinnerungswertes Leben geführt hatten, war es ihnen auf der anderen Seite gegeben, sich zum Zeitpunkt ihres Todes in Geister zu verwandeln, in Phantome, die aus der Substanz menschlicher Erinnerungen gemacht waren.
Die Musen, die einst entschieden hatten, sich in der Flamme zu bewahren, fanden sich zerrissen, zerbrochen und neu verteilt in den Flammen wieder, die die Herzen der Inspirierten anfüllten, in den umherwandernden Erleuchteten und im Seelenkern, der von Harmundia abgetrennt war.

Splitter
Zu dieser Zeit kristallisierte sich durch die großen Verwerfungen auch die Aura der Musen und fixierte die Magie in Harmundia, und fortan konnte kein Sterblicher mehr Magie wirken. In der Ära der Musen waren die Menschen beschenkt worden mit den besonderen Kräften und Talenten, die ihnen die Musen zu überlassen wünschten, und sie gebrauchten die Inspiration zur Schaffung großartiger und verzauberter Werke, den Opera. Aber vom Moment der Eklipse an wurde die Aura der Musen, die Inspiration, plötzlich befreit und verteilte sich über die ganze Welt, bis sie sich in der Form einer kristallinen Substanz verfestigte, die man Splitter nannte. Die Relikte aus der Flamboyanz sind zur Gänze aus Splittern gestaltet worden oder enthalten wenigstens eine gewisse Menge davon.
Splitter sind der grundlegende Stoff für die Magie der Sterblichen.


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Das Zwielicht

Nachdem die Musen Diurn geopfert hatten, war der Tag ausgezehrt, verschlissen und zu schwach, um einem weiteren Angriff wie jenem der Dame des Herbstes und der Maske standzuhalten. Seitdem herrschte in Harmundia eine Art von beständigem Zwielicht vor, ein subtiles herbstliches Halbdunkel, gegen das die anderen Jahreszeiten ankämpfen mußten, um zu überleben.
Es war das Ende der Flamboyanz und das Ende der weltumfassenden Inspiration.
Der Herbst wurde von diesem Augenblick an als eine verfluchte Jahreszeit erachtet. Die Jahreszeitlinge seiner drei Dekane - die Pixies, Draaken und Morganas - wurden verdammt, und sie, die Gefallenen, wurden zu Agenten der Maske.
Neben all dem hatte die Maske einen Sieg errungen und den Weg für seine Vergeltung und seine Rückkehr zur Macht geebnet. Durch die Eklipse konnten die Flammen nach dem Tod der letzten inspirierten Menschen nicht mehr zum Seelenkern zurückkehren, sie lösten sich hoch oben in der Atmosphäre der Welt langsam auf oder schweiften ziellos umher als Erleuchtete. Die Flammen würden sich selbst ausbrennen, und eines Tages würden die Musen engültig sterben.
Das Zeitalter des Zwielichts hatte begonnen.

Der Pakt zwischen Janus und den Jahreszeiten
Janus mußte etwas gegen die Eklipse unternehmen, denn sie war ein Angriff auf seine Rolle als Ordnungsbewahrer und kippte die Balance, die zu erhalten seine Aufgabe war. Der langsame Tod der Musen durften nicht eintreten. Das Gleichgewicht, Äquilibrium, mußte zwischen den Göttern wiederhergestellt, die Dominanz einer einzigen Jahreszeit beseitigt und Harmundia wieder mit der Inspiration in Einklang gebracht werden. Die Vollkommenheit mußte zu neuer Blüte geführt werden.
Also besuchte Janus die restlichen drei Damen der Jahreszeiten, die er zusammengekauert in ihren Zufluchtsorten fand. Er wußte, daß es schwer werden würde, sich ihnen zu nähern, denn sie waren vom Verrat des Herbstes schmerzlich verwundet worden und lehnten alle Gespräche mit den Unsterblichen ab. Aber dennoch gelang es ihm, sich ihnen mitzuteilen und ihnen ein Abkommen vorzuschlagen: Ein Weg mußte gefunden werden, die Inspiration fortzusetzen und sie mit der Zeit und trotz der Eklipse wieder mit dem Seelenkern zu verbinden. Und Janus bat die Damen um Hilfe bei der Bewahrung und zukünftigen Übermittlung der Flammen der letzten Inspirierten. Als Gegenleistung stellte er ein neues Urteil in Aussicht, das einen neuen Jahreskreislauf der Dekane einsetzen würde: Das Jahr würde zehn Monate haben, drei für den Winter, drei für den Frühling, drei für den Sommer und nur einen für den Herbst (denn es war Janus nicht möglich, die Gefallene Jahreszeit vollständig auszulöschen). Grundsätzlich aber würde auch jede einzelne Jahreszeit, die sich heimtückisch der Vorherrschaft über die anderen bemächtigen wollte, Janus persönlich gegenübertreten müssen.
Doch die Jahreszeiten waren trotzdem guten Willens und stimmten nach einem langen Streitgespräch zu, auch wenn sie sich als wesentlich fordernder herausstellten, als Janus das vorhergesehen hatte. Ihre Hauptforderung war, die Flamme und somit die Inspiration auch ihren Kindern zu schenken. Dieser Wunsch beruhte nicht nur darauf, die Jahreszeitlinge vor den Angriffen der Maske nach der Verführung des Herbstes beschützen zu können, sondern auch auf dem Bedürfnis nach einem fortdauernden Dasein in der Geschichte Harmundias durch die Vermittlung ihre Kinder.
Janus beugte sich den Forderungen der Damen, und die Jahreszeiten verbargen sich daraufhin selbst, mit Hilfe einer speziellen Kunstform, in magischen Bilderwelten, um jeder zukünftigen Verlockung und Besitzergreifung der Maske zu entgehen.
Janus wies neun Jahreszeitlinge, einen von jeder Art, an, den Rat der Dekane zu gründen. Ihre Aufgabe sollte sein, über die Inspirierten im Augenblick ihres Dahinscheidens zu wachen, ihre Flamme zu bergen und sie an einen zukünftigen Inspirierten weiterzureichen, gleich, ob Mensch oder Jahreszeitling. Janus erlaubte ihnen den Zugang zu den Flammen und vermittelte ihnen das Wissen zur Kontrolle der Flamme, zum Beispiel, wie man sie transportiert.
Aufgrund ihrer chaotischen Natur war die Tatsache, daß es nun auch inspirierte Jahreszeitlinge gab, ein großer Vorteil gegenüber der Maske. Und nur Janus sollte diejenigen bestimmen, die als geeignet erschienen, fürderhin die Flamme zu bekommen.
Die Pläne der Maske waren hintertrieben worden, aber nun begann wieder ein Krieg, ein neuer, geheimer Kampf zwischen den Inspirierten, die danach strebten, eines Tages die Musen wiederzubeleben, und der Maske, der darauf versessen war, alle Sterblichen unter sein Joch zu zwingen.

Die Künste
Die Unsterblichen zogen sich aus dem Theater der Welt zurück, ließen die Sterblichen leben und sich nach eigenen Wünschen entwickeln. Die Erinnerungen an die Musen und die Maske verblaßten, und die Flamboyanz lebte in den Gedächtnissen der Menschen nur durch die Helden weiter, die sie hervorgebracht hatte, und durch die Relikte, die Harmundia überall schmückten.
An einigen Orten verursachten Tänzer oder Splitter magische Effekte, die manche Personen verstanden und meistern konnten. Aber besonders die Inspirierten, welche jüngst die Flamme vom Rat der Dekane erhalten hatten, vergaßen nicht ihre Aufgabe und erlegten sich die Queste auf, die Erinnerungen an die Musen zu bewahren und deren Rückkehr voranzutreiben. Denn für sie glomm hinter dem Schleier des Zwielichts eine unsichtbare Glut: der Seelenkern.
Die Inspirierten machten sich an die Arbeit und erschufen die Magischen Künste, Rituale, die sich der hohen Künste - der Musik, Bildhauerei, Malerei und Poesie - bedienten, um die Kräfte der Flammen freizusetzen, die in ihnen ruhten. Darüber hinaus waren die Künste Mittel und Möglichkeit, den Musen einen immateriellen Tempel und den Erleuchteten ein Pantheon errichten zu können, um irgendwann einmal die Verbindung zwischen dem Seelenkern und Harmundia wiederherzustellen.
Unglücklicherweise wurden die Besten unter den Kindern der Musen im Laufe der Zeit zu Erleuchteten. Es gab weniger und weniger Flammen weiterzugeben, und...
Die Bedrohung war nicht verschwunden.

Der Baum des Dämmerlichts
Die Unsterblichen hatten sich zurückgezogen, wie Janus, oder waren vor dem Licht geflohen, wie die Maske, aber sie hatten die Weltenbühne niemals vollständig verlassen. Die Maske hatte ihre Suche nach Macht nicht aufgegeben und setzte ihre feinsinnigen Intrigen überall in den Reichen fort.
Janus wurde zum Sehenden Auge des Mondes, um das brüchige Gleichgewicht der Welt besser beobachten zu können. Er sah voraus, daß die Maske eines Tages die Hinrichtung Diurns anstrebte, um ihn für seinen Verrat zahlen zu lassen. Deshalb achtete der Herr der Urteile besonders auf den Orb, der Diurn gefangenhielt. Aber dennoch begab es sich, daß die Maske seinen Dolch kraftvoll in den Schacht schleuderte und den Orb zerbrach. Dann jedoch wurde eine fremdartige Alchemie erzeugt: Diurns Befreiung setzte auch das letzte Feuer seiner einstigen Macht frei, das zum Boden des Schachtes niederfuhr. Dort verwurzelte es sich tief in der Erde und verband sich mit dem Abyss, dem Reich des Schatten. An dieser Stelle wuchs ein schwarzer Baum, angefüllt mit der Finsternis und verbunden mit dem Licht: der Baum des Dämmerlichts.
Janus nun hatte die Absicht, ein neues Zeitalter der Flamboyanz aus einem Bündnis zwischen Diurn und dem Schatten erblühen zu lassen, und er flüsterte Diurn die Gründung einer Schule ein, der Schule des Dämmerlichts, wo der Schatten unter den Augen Diurns herrschen sollte. Auf der andere Seite hätte jedoch weder der eine noch der andere von den beiden das Recht, die Schule zu verlassen, um nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Diurn sollte in dieser Schule besondere Personen ausbilden, die sich Graue Eminenzen nennen und seine Spione sein würden. Sie sollten von den Taten und Reden der Großen und Mächtigen in den Reichen berichten und Janus gleichzeitig dabei helfen, die Handlungen der Sterblichen besser lenken und seine Urteile genauer formulieren zu können.
Dann, sobald es genügend Graue Eminenzen gäbe, sollten überall auf Harmundia Dämmerlichtbäume gepflanzt werden für eine neue Ära der Harmonie unter Janus´ Obhut. Um das zu bewerkstelligen, benötigte Janus aber jemanden, den er auf die Schule des Dämmerlichts schicken konnte, um dort Diurns Schüler und Erbe zu werden. Diese Person würde fähig sein, die Mauern der Schule zu verlassen. Sie würde die Saat der Dämmerlichtbäume ausbringen und die Eminenzen ganz Harmundias befehligen.
Diese Person war Agone von Rundstein.

Heute: Gegen die ewige Nacht
Die Maske unterwandert Persönlichkeiten, Reiche, Adelshöfe und Gilden.
Er sammelt seine Diener um sich und erweitert beständig seinen Einfluß. Er wird sein Ziel erreichen, wenn das Zwielicht vollständig ist. Das in alten Zeiten geschlossene Bündnis mit dem Schatten besteht noch immer, und Nox stellt der Maske seine Dämonenhorden zur Verfügung, um seine Rückkehr zu betreiben.
Die Maske dagegen benutzt Nox zum Verbergen seiner Handlungen vor den Augen der Menschen, damit er dereinst wieder über Harmundia herrschen und alle Sterblichen versklaven kann.
Die Maske fängt die Flammen, die ihn an der Herrschaft hindern, und läßt sie verlischen. Heute, in unserer Zeit, gibt es nur noch eintausendundeine von ihnen.
Wie es die Grauen Eminenzen prophezeit haben, flackert der Krieg erneut in Harmundia auf. Ein verräterischer, hinterhältiger Krieg, in dem nur wenige kämpfen, aber viele fallen. Denn alle Sterblichen sind seine Opfer.
Doch die Musen hinterließen mit den Inspirierten ihre Erben, die Träger der Hoffnung auf eine freie Welt.
Der Einsatz dieses Spiels: Flamboyanz oder ewige Nacht.


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Chronologie

Mythische Vorzeit

Die Zeitendämmerung:
Die vier Musen erschaffen Harmundia und die Harmonie.
Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit.
Erschaffung der Vollkommenheiten, Prodigien und Wunder.
Erschaffung der Maske.
Beginn des Dramas.

Der Zenit:
Die Maske formt den Tag (Diurn) und die Nacht (Nox).
Diurn erschafft die Glimmer.
Entstehung des Abyss.
Nox gerät unter den Einfluß der Maske und wird der Schatten.
Die Dämonen werden aus der Finsternis geboren.
Die Maske erzeugt die Menschen.
Die Musen erschaffen Janus.
Die Jahreszeiten entstehen und erschaffen die Jahreszeitlinge.
Janus bildet die Dekane heraus.
Krieg der Dekane.
Pakt der Jahreszeitlinge.
Starke Vermehrung der Menschen.

Die Agonie:
Krieg der Unsterblichen.
Ritual der Inspiration.
Die Musen erschaffen die Flammen durch die Opferung Diurns.
Entstehung des Seelenkerns.
Die Glimmer verlassen Harmundia.

Beginn der Zeitrechnung

Die Flamboyanz: Ab 3000 vor der Eklipse
Janus kerkert den Schatten im Abyss und Diurn im Orb ein.
Flucht der Maske.

Die Eklipse: Jahr 1 der Zeitrechnung
Die Maske verführt die Dame des Herbstes zur Verschleierung des Seelenkerns.
Erstes Auftauchen der Tänzer, Erleuchteten und Geister.
Die Musen zerbrechen sich selbst und fahren in die Flammen ein.
9: Pakt zwischen Janus und den Jahreszeiten.
Gründung des Rates der Dekane.
Harmonie (Magie) kristallisiert sich in Splitter.
Rückzug der Unsterblichen.

Das Zwielicht
30: Begründung der Askendanzmagie und des Ordens der Chiffrenzauberer.
300-350: Entwicklung der Magischen Künste.
1299: Janus überredet Diurn zur Gründung der Schule des Dämmerlichts.
1410: Agone von Rundstein tritt der Schule des Dämmerlichts bei.
1450: Heute: Gegen die ewige Nacht.


Mehr dazu s. www.agone.de.


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18.10.2007, 23:14 JS ist offline   Profil von JS Füge JS deiner Freunde-Liste hinzu Email an JS senden
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